Hawaii - Ironman Worldchampion Ship 2017

Ironman Worldchampion Ship 2017 – Hawaii  (14.10.2017)

Ein Bericht von Catrin Eggers


Das erste Erstaunen setzte bereits ein, als ich aus dem Flugzeug stieg. Dass es auf Hawaii warm ist war mir klar, aber dass es auch noch dermaßen schwül ist, damit hatte ich nicht gerechnet. Die ersten Trainingseinheiten waren dementsprechend schwierig. Dazu kam die Zeitumstellung von 12 Stunden und beim Radfahren der Wind. Außerdem hatte ich die Hürde zu nehmen, dass das Schwimmen im Ozean stattfinden wird. Das war unbekanntes Terrain und für meine mäßigen Schwimmkünste eine Herausforderung. Ich hatte mich vorsichtshalber für das Ho’ala Swim-Training angemeldet, das einem die Möglichkeit gab, eine Woche vor dem Wettkampf die Strecke mit Zeitnahme unter Wettkampfbedingungen zu schwimmen. Dieser Test war zwar nicht schnell, aber hilfreich für das Vertrauen am Wettkampftag. Es konnte also losgehen.

Am Morgen des 14.10.2017 hieß es um 3 Uhr früh aufstehen, Trinkflaschen und Proviant für den Tag packen, Time-Chip am Fußgelenk befestigen und in den Triathlonanzug steigen. Abfahrt zum Pier um 4:45 Uhr. Bis jetzt war es wie immer vor Langdistanzrennen. Ansturm auf den Parkplatz und eine Völkerwanderung zur Wechselzone. Luftpumpen durfte man nicht mitbringen und auch der Rucksack durfte nicht mit in diese Zone. Dafür gab es extra einen durchsichtigen Beutel mit der Aufschrift Pre-Swim für Utensilien wie Schwimmbrille und Badekappe. Vor Ort eine Flut von Helfern, die die Massenabfertigung schnell abwickelten. Das Bodypainting (auftragen der Nummer auf den Arm) wurde von den Helfern erledigt und dauerte kaum 5 Minuten. Alles war perfekt durchorganisiert und lief wie am Schnürchen. Dann zum Rad in die Wechselzone, um Luft aufzupumpen und die Trinkflaschen zu platzieren. Auch hier war neben der Luftpumpe auch gleich ein freundlicher Supporter zur Stelle. Ein wirklich unglaublicher Service. Nachdem die Vorbereitungen getroffen waren, hieß es Warten auf den Start. Die AK-Frauen hatten die Startzeit 7:20 Uhr, da zunächst die Profis und dann die AK-Männer ins Rennen gingen.

Zunächst schwammen wir zur Startlinie, dann auf Kanonenschuss los. Ich fand schnell in meinen Schwimmrhythmus und konnte auch die Linie einigermaßen halten. Durch die Wellen waren die Bojen nicht immer zu sehen. Aber es waren ja genug Leute da, hinter denen man herschwimmen konnte. Nach 1:33 Stunden kam ich noch recht frisch aus dem Wasser und bin auf das Rad umgestiegen. Auch hier wieder Hilfe von allen Seiten inklusive Sonnencreme auftragen. Die erste Radrunde verlief durch Kona und ließ sich für mich gut fahren. Dann raus auf den Highway Richtung Norden nach Hawi. Die ersten 35 Meilen liefen ganz gut, bis zum Abzweig nach Hawi. Dort wurde es bergiger und es kam ein mörderischer Wind auf, so dass einige Age-Grouper ihre Räder schieben mussten. Es wurde immer anstrengender. Dazu kam an diesem Tag ein wolkenloser Himmel und die Sonne gab ihr Bestes. In Hawi dann der Turnaround und dieselbe Strecke zurück. Zunächst mit Rückenwind, der sich aber nach ungefähr 15 Meilen in Gegenwind drehte. Es kamen die ersten Gedanken, dass der anschließende Marathon eigentlich nicht mehr drin ist. Hitze, Sonne und Gegenwind auf 180 Kilometer mit 1772 Höhenmetern brachten mich an eine erste Grenze. In Kona angekommen, hatte ich mir den Plan zurechtgelegt, in Ruhe durch die Wechselzone zu gehen und dann in meinem gewohnten Rhythmus erst einmal langsam loszulaufen. So ließ sich der erste Laufabschnitt von ca. 10 Meilen durch den Ort gut an. Der nächste Abschnitt führte dann raus in die Lavawüste, die Sonne war gerade untergegangen. Dann kamen die längsten 14 Meilen die ich je gelaufen bin. Es wurde dunkel – ohne Straßenbeleuchtung. Nur an den Servicestationen gab es Licht und Musik. Dazwischen war einfach nichts. Man konnte nur Läufer erkennen, die direkt vor einem liefen. Sonst sah man nur die Leuchtmittel, die vom Service verteilt worden waren, um die Läufer in der Dunkelheit kenntlich zu machen. Es gab nun zwar den Vorteil, dass die Sonne nicht mehr brannte, dafür war es aber noch immer sehr warm und schwül. Jede Servicestation bedeutete Eis für den Körper, Wasser und Salz oder Hühnerbrühe für die Flüssigkeitsaufnahme. Und dann immer weiter durch die Dunkelheit bis ins Energy Lab. Dort war der Turnaround der Laufstrecke und es ging zurück Richtung Kona. Die ganze lange Strecke zurück und ein Ende war nicht zu sehen. Mittlerweile hatte meine Pace stark nachgelassen, da ich in der Dunkelheit das Gefühl für Zeit und Geschwindigkeit verloren hatte. Erst als die Lichter von Kona auftauchten war ich sicher, dass ich das Ziel doch tatsächlich erreichen werde. Dann endlich Kona und die Palani Road, Menschen und Musik, Motivation von außen. Nur noch 2 Kilometer wurde mir zugerufen – und es kamen mir noch immer Läufer entgegen, die diese 14 Meilen noch vor sich hatten. Für mich hieß es jetzt aber, das Ziel ist nah, du schaffst es. Der Zieleinlauf auf dem Alii Drive war dann auch überwältigend. Unglaublich viele Zuschauer, die die Athleten die letzten 300 Meter lautstark anfeuerten und jeden Zieleinlauf feierten. Und nicht zuletzt Mike Reilly‘s : „Catrin - You are an Ironman“ !

Nach 13 Stunden und 13 Minuten und damit Platz 27 von 59 Starterinnen meiner Altersklasse hatte ich es geschafft. Es war der härteste Wettkampf, den ich bisher gemacht hatte und ich war froh, dass es vorbei war – geschafft und nicht aufgegeben!

Die Eindrücke dieses Tages werden mich sicher noch eine ganze Weile beschäftigen.

Dieser Bericht war am 26.10.2017 in der Hildesheimer Allgemeinen erschienen:

 

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